Reto Bernasconi: ein Notfallarzt
- sureVIVE

- 3. März
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Die Welt der prähospitalen Notfallversorgung erfordert Schnelligkeit, Ruhe und die Fähigkeit, sich in dynamische Teams zu integrieren, die in stets wechselnden Kontexten arbeiten. Die Geschichte von Reto Bernasconi, Notfallarzt beim Ambulanzdienst Mendrisiotto (SAM), zeigt, was es bedeutet, täglich im Einsatz zu stehen, zwischen komplexen Interventionen, Emotionsmanagement und einem mit Entschlossenheit aufgebauten Ausbildungsweg.
Ein Arzt aus der Region
Reto Bernasconi ist eng mit seiner Region verbunden:
„Ich bin Reto Bernasconi, ich komme aus dem Mendrisiotto, bin hier geboren und aufgewachsen und arbeite derzeit als Notfallarzt hier beim SAM.“
Seit drei Jahren arbeitet er auf der Ambulanz und ist parallel dazu seit vier Jahren als Notfallarzt bei der Rega tätig. Diese Doppelrolle bereichert seine Erfahrung und seine Fähigkeit, in sehr unterschiedlichen Szenarien zu handeln.
Wie ein Notfalleinsatz beginnt
Die Arbeit des Arztes hängt von der Art des Alarms ab, der von der Einsatzzentrale gemeldet wird. Im kantonalen System bestimmt der Farbcode den Schweregrad und damit auch, ob nur die Ambulanz oder zusätzlich ein Arzt ausrueckt.
„Bei Grün fährt nur die Ambulanz… bei Orange fährt die Ambulanz und wir als Ärzte müssen bereit sein… bei Rot und Blau rücken auch wir aus.“
Sobald der Einsatz auf dem Bordcomputer eingeht, wird die Dringlichkeit beurteilt, der Auftrag angenommen und der Weg in die Garage angetreten. Die Zeit ist knapp:
„Bei Einsätzen haben wir normalerweise zwei Minuten, um auszuruecken.“
Diese Phase folgt klaren Protokollen, die von der Zentrale anhand standardisierter Fragen angewendet werden. Der zugewiesene Farbcode aktiviert Licht, Gong und Nachricht und steuert die operative Reaktion.
Im Einsatz: nicht nur der Patient, sondern das gesamte Umfeld
Am Einsatzort betrifft die Herausforderung nicht nur den klinischen Aspekt. Reto Bernasconi betont, dass der Umgang mit den anwesenden Personen oft anspruchsvoller ist als die medizinische Behandlung selbst:
„Der heikelste Aspekt ist oft nicht die Betreuung des Patienten an sich, sondern der Umgang mit den Menschen rundherum… auch den Angehörigen, das Kind oder die Ehefrau zu betreuen.“
In die Wohnungen der Menschen einzutreten, in Momenten grosser Verletzlichkeit, ist nie selbstverständlich. Jede Situation erfordert Feingefuehl, Kommunikationsfähigkeit und Respekt.
Einsätze, die Spuren hinterlassen
Auf die Frage nach besonders prägenden Einsätzen nennt Reto Bernasconi kein einzelnes Ereignis. Nicht, weil es keine intensiven Momente gab, sondern weil jeder Einsatz etwas hinterlässt:
„Jeden Einsatz nimmt man irgendwie mit nach Hause.“
Die technische Komplexität, nachträgliche Zweifel oder die gemeinsam mit den Angehoerigen erlebten Emotionen tragen alle zur persoenlichen und beruflichen Entwicklung bei.
Ein Weg, getragen von Leidenschaft
Seine Entscheidung reifte bereits in jungen Jahren:
„Die Welt der Notfallmedizin hat mich schon immer fasziniert.“
Nach dem Gymnasium studiert er Medizin, zuerst zwei Jahre in Freiburg, dann in Basel. Dort entdeckt er eine Moeglichkeit, die seine Laufbahn praegen wird: Waerend der Facharztausbildung in Anästhesie konnten Assistenzarztinnen und -ärzte bereits ab dem zweiten Jahr als Notfallaerzte mit der Ambulanz ausrücken. Für ihn wird dies zu einem natürlichen Weg.
„Ich habe dort angefangen und es immer weitergeführt.“
Zurück im Tessin tritt er der Rega und anschliessend dem SAM bei und behält zugleich eine klinische Tätigkeit im Spital bei, um Fertigkeiten und Routine zu bewahren.
Zwischen Himmel und Strasse: ein Beruf in ständiger Entwicklung
Heute teilt Reto Bernasconi seine Arbeit zwischen Ambulanz, Luftrettung und Krankenhaus auf. Ein Gleichgewicht, das es ihm ermoeglicht, klinisch und operativ auf dem neuesten Stand zu bleiben und sich mit sehr unterschiedlichen Fällen auseinanderzusetzen.
Sein Bericht gibt einen authentischen Einblick in den Beruf des Notfallarztes: eine Tätigkeit, in der sich Technik und Erfahrung mit Sensibilitaet, Kommunikation und der Fähigkeit verbinden, neben dem klinischen auch das menschliche Umfeld zu erfassen.


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